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Kann ein Projekt perfekt sein? Scheitern in der Kreativbranche

Lara hat mir vor kurzem drei Fragen geschickt, die ich ihr für ihre Bachelor-Arbeit beantwortet habe. Und während des Schreibens dachte ich mir, dass diese auch ganz interessant für dich sein könnten. Es geht um Perfektionismus und das Scheitern in der Kreativbranche und wie auch ich speziell als UI/UX Designer bei Projekten damit umgehe.

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Was bedeutet Perfektion für mich?

Perfektionismus auf den digitalen Designbereich bezogen, gibt es für mich nicht. Was mich heute erstaunt, ist morgen schon wieder alt, da die Branche einfach wahnsinnig schnell dazulernt.

Schau ich mich im Alltag nach Perfektion um, finde ich sie häufiger. Nehmen wir beispielsweise Besteck. Es hat sich über Jahrhunderte ergeben, dass es sich einfach sehr gut zum Essen eignet. Es lässt sich darüber streiten, ob die Formen verbessert werden könnten, um ein Messer besser in der Hand liegen zu lassen. Aber als Werkzeug an sich, finde ich Löffel, Messer und Gabel perfekt.

Welchen Einfluss hat Perfektionismus auf meine Arbeit?

Ich habe den Drang, Produkte perfekt auszuarbeiten und ein Layout wieder und wieder zu überdenken. In der Realität sieht das aber oft anders aus. Vor allem bei Kundenprojekten musst du dich schnell mit einem Stand zufrieden geben, der vielleicht 80% von dem ist, was du selbst eigentlich gerne erreichen wolltest. Das Geld und vor allem die Zeit ist häufig einfach nicht vorhanden und damit muss man sich als Kreativer abfinden. Selbst wenn du ein Projekt perfekt abschließen würdest, passiert ja eigentlich erst danach das Spannende. Denn dann zählen allein die Messwerte und Daten, die dir Rückmeldung geben, wie gut etwas wirklich funktioniert und ankommt. Und auf einmal merkst du, dass das, was du vorher als perfekt angesehen hast, vielleicht doch gar nicht so perfekt war.

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Gehören Fehler zum kreativen Prozess oder habe ich Angst zu scheitern?

Ich habe nur noch sehr wenig Angst bei Projekten zu scheitern. Es gab aber eine Zeit, in der es in der Tat so war. Gerade, wenn du als Designer neu in der Branche startest, ist es häufig die Stimme in deinem Kopf, die dir sagt, dass du nicht gut genug bist oder etwas nicht kannst. Das zu überwinden ist nicht einfach. Ich musste zuerst meine Erfahrung und Fähigkeiten verbessern, indem ich neugierig war und über mehrere Jahre dazugelernt habe. Dann konnte ich auch meine Denkweise anpassen und Vertrauen in mich selbst aufbauen.

Auch wenn viele sagen, dass du aus deinen eigenen Fehlern lernen sollst, bin ich trotzdem der Meinung, dass es schlauer ist, andere zu beobachten und zusätzlich auch aus deren Fehlern zu lernen. Auf diesem Weg kommst du erst gar nicht in ähnliche Schwierigkeiten und kannst schneller ein nächstes Level erreichen.

Bei allem was man tut, gibt es Raum für Verbesserungen. Und das bedeutet, dass die Arbeit eigentlich nie fertig ist. Ein Projekt „perfekt” abzuschließen, ist deshalb sehr schwer. Jeder sollte aber hart daran arbeiten, zu überlegen, wie etwas besser gemacht werden kann. Niemand sollte sich mit nur „gut” zufrieden geben. „Gut” ist der Feind von „großartig” und das Ziel ist, ein großartiges Projekt fertigzustellen oder ein großartiges Unternehmen aufzubauen.

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