Was heißt professionell arbeiten wirklich?

Professionell zu arbeiten, hat nichts mit jahrelanger Praxis zu tun. 

Professionalität ist eine Fähigkeit, die immer weiter ausgebaut werden kann. Sie wird nicht automatisch ab einem bestimmten Zeitpunkt erreicht. Vielmehr braucht es Disziplin und die richtige Einstellung. Wie genau das aussieht, erzähle ich dir in diesem Beitrag.

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Hintergrund dieser Folge

Diese Episode ist ein Nachbericht und inspiriert von Sarah Dayan, die bei der Seanwes Konferenz 2016 eine wirklich gute Präsentation über „Professionalität in der kreativen Branche“ gehalten hat. Ihr Talk ist mir länger im Kopf geblieben und ich musste ihn einfach in einem eigenen Beitrag verarbeiten.

Ich bin selbst seit längerem ein Teil der Seanwes Community. Um spannende Gespräche mit anderen Mitgliedern und eigene Gedanken nicht zu vergessen, sondern festzuhalten, mache ich mir selbst immer viele Notizen. Nur indem ich sie auch wirklich aufschreibe, bleiben sie mir im Kopf.

Dieser Podcast ist also auch ein Stück weit für mich selbst, um immer wieder reinzuhören und die Bedeutung von Professionalität für mich als Designer nicht zu vergessen.

Professionalität ist vermutlich nicht das, was du gerade denkst

Die meisten denken, sie wüssten, was „professionell arbeiten“ bedeutet. Viele Designer und Agenturen verwenden „Professionalität“ ja schließlich auch als Aushängeschild auf ihrer Website. Vermutlich ist deine Vorstellung davon aber falsch.

Auch wenn du jetzt sagst, du kennst zumindest ein Teil davon, dann bin ich gespannt, was du nach diesem Beitrag hier denkst.

Auch ich dachte jahrelang, professionell im Umgang mit Kunden zu sein und meine Aufträge als Webdesigner fachgerecht und wie ein Profi zu bearbeiten. Aber das war nicht so.

Professionalität hat nichts mit deinem Aussehen zu tun. Ich könnte den ganzen Tag in Jogginghose arbeiten und trotzdem 10 mal professioneller sein, als jemand, der einen Anzug trägt.

Du bist auch nicht professionell nur weil du auf eine erstklassige Schule gegangen bist. Standford oder Harvard Universitäten vergeben keine Professionalitäts-Zertifikate. Und in Deutschland bekommen wir diese genau so wenig.

Niemand bekommt „Professionell“ angeheftet an seinen Abschluss, egal wie gut er ist. Es ist etwas, dass wir über einen längeren Zeitraum üben müssen und immer weiter verbessern können.

Selbst wenn du seit 20 Jahren in deinem Job arbeitest, kannst du noch unprofessionell sein. Es ist nichts, was dir dein Vorgesetzter unterschreibt und bei deinem zehnjährigen Jubiläum übergibt. Du musst es dir aneignen und nur du alleine bist dafür zuständig.

Professionell zu sein, heißt, immer Verantwortung zu übernehmen, egal in welcher Situation.

Es gibt bestimmt Vorbilder oder andere Designer, die du bewunderst und zu denen du hochschaust. Aber sie können noch so außergewöhnlich und gut sein. Das heißt nicht, dass sie auch gleich professionell mit Kunden arbeiten!

Probleme werden zu oft weitergeschoben, nicht beachtet oder verantwortungslos behandelt

Folgende Situation kennt fast jeder: Du rufst bei einem Kunden-Supportcenter an, da du etwas reklamieren, nachfragen oder kündigen möchtest.

Durch die lange Warteschleife kommst du aber erst nach drei Minuten zu jemandem durch. Du beschreibst dein Problem so genau es geht, aber die Antwort ist „dafür bin ich nicht zuständig. Ich leite sie aber gerne weiter”.

Der Nächste fühlt sich wieder nicht angesprochen oder kennt sich nich gut genug aus. Deswegen wirst du erneut vermittelt und musst dein Anliegen wieder und wieder beschreiben. Du denkst dir: Warum bekomm ich nicht ohne langes Gerede einfach ein Ersatzteil oder mein Geld zurück? Warum fühlt sich keiner für das Problem zuständig?

Am Ende ist jeder wie ein Kleinkind, das eine Vase heruntergeschmissen hat.
Sarah Dayan

Keiner will wirklich Verantwortung übernehmen. Keiner fühlt sich angesprochen oder weiß, wie man gekonnt mit der Situation umgehen soll. Und das ist leider häufiger der Normalfall.

Es passiert zu selten, dass Menschen auch mal selbst Verantwortungsbewusstsein übernehmen. Und das ist ja auch verständlich, denn niemand möchte der Schuldige sein. Viele schieben die Schuld jemandem anderen zu, anstatt sie selbst gewissenhaft zu übernehmen und zu lösen.

Wann bist du wirklich professionell?

Um wirklich professionell zu arbeiten, musst du die Verantwortung für alles übernehmen. Gibt es bei deinem Auftrag ein Problem, dann ist es dein Fehler. Ist dem Kunden etwas negativ aufgefallen, dann bist du dafür zuständig.

Hör dir erstmal alles in Ruhe an, egal ob von einem Kunden, Mitarbeiter oder Chef und antworte: „Kein Problem, ich kümmere mich darum.”

Lass dich nicht durch Ärger oder Frustration von anderen anstecken. Du bleibst professionell und nimmst die Sache selbst in die Hand. Das ist der einzige Weg, um ein Negativ, in ein Positiv zu wandeln.

Es braucht Übung und Training, aber es wird dich, deine Arbeit und die Zusammenarbeit mit Kunden maßgeblich verändern. Keine Angst, deine Karriere wird dadurch nicht zu Ende sein. Vielmehr wirst du an Professionalität gewinnen.

Ohne Ausnahmen

In einer wirklich professionellen Business-Beziehung gibt es keine Ausnahmen. Es gibt keinen „besonderen Fall“, in dem du die Erlaubnis hast, ein Problem jemandem anderen in die Schuhe zu schieben. Auch wenn es nicht wegen dir passiert ist. Vom ersten Tag an dem du dich entschieden hast für jemanden zu arbeiten, musst du die Rolle übernehmen und auch handeln.

Hier ist der Unterschied zwischen einem professionellen Design Experten und einem Design-Facharbeiter

Professionelle lösen Probleme, ein Design „Facharbeiter“ tut nur das was ihm gesagt wird und stellt keine Fragen.

Ich selbst habe auch schön öfters als Design-Freelancer für Projekte gearbeitet in denen ich absolut nur ein „technischer Designer“ war und nur das getan habe, was mir gesagt wurde. Sogar mit dem Wissen, dass das, was ich gerade gestalte, nicht die beste Lösung für das eigentliche Problem ist. Und das einfach nur aus dem Grund, da von mir genau das erwartet wurde. Alles andere wurde nicht gewollt.

Ich war zwar ein Designer vom Fach, der aber einfach nur ausgeführt hat, ohne zu hinterfragen. Ihr wollt das? Alles klar, dann mache ich das so.

Selbst wenn ich der Design-Experte in der Runde war, wollten sie von mir nichts anderes hören. Und ich bin mir sicher, dass sich auch viele andere Designer damit identifizieren können. Und ich konnte mich nur davon befreien, indem ich meine Arbeitsweise, die Zusammenarbeit mit Kunden und meine eigenen Ziele in der Selbstständigkeit grundlegend verändert habe.

Um professionell zu handeln, musst du auch mit einem professionellem Umfeld arbeiten.

Es reicht nicht nur dein eigenes Verhalten zu ändern. Auch dein Team, Art Direktoren und Geschäftspartner sind davon abhängig. Sie müssen dir Vertrauen, dass du die besten Entscheidungen triffst, da du der Experte auf deinem Gebiet bist.

Aber die meisten können nicht professionell mit jemandem arbeiten. Viele wollen immer das letzte Wort haben und Änderungen in Bereichen durchführen für die sie selbst eigentlich nicht zuständig sind.

Wenn du jemandem Arbeit zuweist oder er dir Arbeit gibt, dann musst du zu 100% Vertrauen haben, dass die Arbeit auch gut gemacht wird, ohne sie zu hinterfragen!

Ich habe in Projekten gearbeitet, in denen Designentscheidungen bemängelt wurden, weil sie womöglich den Vorgesetzten nicht gefallen. Und diese wiederum kannten die Bedürfnisse von Personen vor ihnen und beurteilten deshalb aufgrund von deren Meinungen. KEINER hat das Design aus der Sicht der Zielgruppe betrachtet und basierend darauf das Layout bewertet.

Wie kannst du als Designer wirklich professioneller werden und welche Kunden braucht man dafür?

Das war nur ein Teil der Notizen, die mich im Bezug auf meine Arbeitsweise zum Nachdenken gebracht haben und dich hoffentlich auch.

Diese Professionalitäts-Merkmale regen regelrecht dazu an, seine eigenen Verhaltensweisen als Designer zu hinterfragen und professioneller auftreten zu wollen.

Genau deshalb habe ich noch eine weitere Podcast Episode aufgenommen, in der es um die fundamentalen Eigenschaften eines professionellen Designers geht.

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