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Q&A: Webdesigner Gehalt nach der Ausbildung

Ich bekomme hin und wieder Fragen von verschiedenen Lesern geschickt oder frage auch öfters selbst beliebige Newsletter Abonnenten, ob sie momentan etwas bestimmtes beschäftigt.

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, mehr auf einzelne Fragen einzugehen und diese auch für alle öffentlich zu machen. Zudem ist es für mich eine gute Möglichkeit, diese als Podcast aufzunehmen.

Dieses Mal hat Anna gefragt, mit welchem Gehalt sie am besten nach der Ausbildung als Webdesigner in die Agentur einsteigen sollte und von welchen Faktoren das abhängig ist. Außerdem beschreibe ich, wie man als Festangestellter Webdesigner in der Branche aufsteigt und was damit verbunden ist.

Mehr Fragen und Antworten findest du in dieser Kategorie.

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Ich bin ab diesem Jahr offiziell ausgelernt. Jetzt die Frage aller Fragen – Gehaltsvorstellung. Was kann ich als Berufseinsteiger im Bereich Webdesign verlangen? Wovon hängt es ab? Wie kann ich es am besten begründen? Welche Faktoren sollte ich berücksichtigen?
Frage von Anna

Erstmal Glückwunsch zu deiner Ausbildung, die du vermutlich jetzt schon in der Tasche hast! Jetzt geht’s erst richtig los!

Im Medienbereich habe ich nur während meiner Ausbildung als Festangestellter gearbeitet. Deshalb sage ich ehrlich, dass ich diese Frage nur bedingt beantworten kann. Ich weiß nicht, in wie weit sich der Markt in den letzten Jahren verändert hat. Aber das, was ich weiß, teile ich gerne mit dir.

Freunde von mir, die in etwa den gleichen Werdegang hatten, haben als Designer im Durchschnitt zwischen 2100 und 2300 Euro Brutto nach der Ausbildung im gleichen Betrieb verdient. Dabei kommst du auf etwa 1700 Euro Netto im Monat. Dazu muss man sagen, dass es sich hier um Werbeagenturen in Hamburg handelte.

In der Zeit, in der sie im selben Betrieb gearbeitet haben, haben sie ihr Gehalt nicht wirklich erhöht. Die größeren Gehalts-Schritte kannst du machen, indem du die Agentur wechselst. Und das weiß ich, ist auch bei viele Kreativen üblich. Alle zwei oder drei Jahre in eine neue Agentur zu gehen, ist also nichts außergewöhnliches. Vor allem hier in Hamburg, wo es sehr viele Firmen im Medienbereich gibt. Sobald du dann woanders hin gehst, fängt für dich auch ein neuer Abschnitt an und du kannst neu über dein Gehalt verhandeln.

Abhängig ist dein Gehalt natürlich von verschiedenen Faktoren. Der Standort, die Größe des Betriebs und deine persönlichen Fähigkeiten, spielen eine wichtige Rolle. In der Regel ist jeder Arbeitgeber bereit, dir ein höheres Gehalt zu zahlen, wenn du ihm ein entsprechenden Mehrwert bietest und diesen musst du ihm eben erst beweisen.

Das funktioniert nur bedingt während der Ausbildung. Aber wenn du übernommen wirst, dann hast du schon den ersten richtigen Schritt in diese Richtung gemacht. Und wenn nicht, dann gibt es bestimmt auch genügend andere Betriebe, die dich einstellen würden. Der digitale Markt für Webdesigner und Designer im allgemeinen ist immer noch sehr groß und wächst auch weiter an.

Wenn du aber wirklich die nächsten 10 Jahre nur als Festangestellter arbeiten willst und in der Branche weit aufsteigen möchtest, dann kommst du um einen Umzug in eine neue Stadt nicht drumrum. Denn nur, indem du in verschiedenen Agenturen arbeitest, lernst du auch noch mehr wichtige Leute kennen und kannst deine Erfahrungen und Fähigkeiten durch neue Aufträge und Arbeitsabläufe verbessern.

Wenn deine Arbeit wirklich gut ist, dann werden auch andere Agenturen auf dich aufmerksam. Wie in vielen Bereichen, sind hier Kontakte das Wichtigste. Wenn du beispielsweise in einer Werbeagentur gerade für den Kunden X arbeitest und dieser Kunde aber die Agentur wechseln möchte, dann kann es gut sein, dass er sich jemand neues sucht aber weiterhin mit dir arbeiten möchte. Und das wird er dann auch entsprechend mit der neuen Firma kommunizieren. Dann hast du natürlich gute Karten und kannst eine großzügige Gehaltsvorstellung nennen.

Was auch häufig passiert, ist, dass ein Kollege aus der Agentur, in der du gerade arbeitest, von einem anderen Betrieb abgeworben wird und bei der neuen Agentur als Creative Director oder Art Director anfängt. Da die neue Agentur ihn unbedingt haben will, kann er auch Forderungen stellen und zum Beispiel "alte" Kollegen mitnehmen, mit denen er in der Vergangenheit auf einem hohen Level zusammengearbeitet hat.

Aber ganz ehrlich, diese Dinge gelten noch nicht, wenn du gerade mit der Ausbildung fertig bist. Du musst dich erst beweisen und lernen, lernen, lernen. Wenn du auch nach drei Jahren Festanstellung in dem gleichen Betrieb zufrieden bist, dann verhandle gut und bleib da. Sobald es aber "langweilig" wird oder du nur den Ansatz von Unzufriedenheit erkennst, wechsele die Agentur oder fang an selbstständig zu arbeiten (mehr dazu in der nächsten Frage).

Es liegt immer an dir selbst, wie viel du erreichen möchtest und wie hoch du deine Ziele steckst.

Viele wollen einfach nur Geld verdienen und arbeiten deshalb auch in einem Job, der ihnen nicht hundert prozentig Spaß macht. Das würde ich niemals, niemals langfristig können. Egal wie viel Geld es mir bringt. Und der Grund ist ganz einfach: Je weniger Spaß ich an der Sache habe, desto schlechter mache ich auch meine Arbeit. Deshalb war für mich auch schon immer die oberste Priorität, in dem Bereich zu arbeiten, in dem ich mich am besten entfalten kann. Und nur das, hat mir die Selbstständigkeit ermöglicht.

Selbstständig zu sein, hat mir persönlich den Schub gegeben, immer mehr und mehr zu wollen und dafür auch mehr zu arbeiten und mehr zu lernen.

Während meiner zweijährigen Ausbildung bei Jung von Matt (2010), war meine Lernkurve so hoch, dass ich danach dachte, mir gehört die Welt. Die Agentur und die Mitarbeiter dort waren in meinen Augen damals auf einem so hohen Level, dass ich mir in kürzester Zeit wahnsinnig viel Wissen aneignen konnte. Danach war ich wirklich sehr optimistisch, was meine Arbeit und ihren Mehrwert angeht. Blicke ich jetzt zurück, war ich nur ein kleiner Wurm in einem großen Nest. Ich hatte wirklich nur die Basics gelernt und erst jetzt weiß ich, dass es nach oben hin nie aufhören wird. Die damals gelernten Grundlagen, die ein Designer haben muss, habe ich erst in den letzten sechs Jahren optimieren und verbessern können. Und egal was dir jemand erzählt, das braucht einfach Zeit.

Deshalb ist es das Beste, deine Erwartungen erstmal nicht zu hoch zu setzen und lieber jetzt schon zu wissen, dass es auch nach der Ausbildung noch zwei Jahre dauern kann, bis du das Gehalt bekommst, das du dir gerade wünschst.

Behalte einfach immer dein Ziel vor Augen und laufe nicht links oder rechts sondern genau darauf zu. Und wenn du hin und wieder eine Entscheidung treffen musst, dann triff sie, basierend auf deinen Vorstellungen wie dieses Ziel aussieht.

Ich hoffe ich konnte dir helfen! Grüße, Jonas

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