Design Persönlich Podcast

Designer müssen kreative Ideen liefern. Können wir das alle?

Gerade in den letzten Folgen meines Podcasts ging es stark um Themen wie:

Und auch heute möchte ich ein ähnliches Thema behandeln: Wieso zweifeln manche Designer daran, dass ihre Ideen nicht gut genug für Projekte sind? Ist es besser, Ideen manchmal einfach für sich zu behalten? Oder heisst das, dass wir dann nicht kreativ genug sind?

Ich bin der Meinung, dass du genauso wie jeder andere Designer auch, gute Ideen hast, die wertvoll für Projekte sein können. Und um das genauer zu begründen, möchte ich dir heute von zwei Geschichten erzählen.

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Sind meine Ideen überhaupt relevant?

In meinem Alltag versuche ich häufig Verknüpfungen zu finden, von beispielsweise Verhaltensweisen von Menschen und unserer Arbeit als Designer. Und so habe ich dieses Jahr zwei Dinge beobachtet, die mich zum Nachdenken gebracht haben.

Hast du schon mal überlegt, warum es manche Menschen gibt, die vor Ideen nur so sprudeln?
Glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass deine Ideen genauso wertvoll für Projekte sind, wie die von anderen Konzeptern, Designern und Projektmanagern auch?

Gerade junge Designer tun sich damit schwer. Viele lassen ihre Gedanken einfach nicht freien Lauf, weil sie Angst haben, dass sie nicht relevant genug sein könnten. Warum ist das so? Wieso fällt es manchen schwerer, „kreativ” zu sein und Ideen auszusprechen?

Wenn ich genau darüber nachdenke, konnten wir das „kreativ sein” als Kinder schon ziemlich gut. Vielleicht waren wir damals einfach die besseren Designer?

Wir kümmern uns zu sehr darum, was andere Menschen denken.

Im Kindergarten sind wir alle noch voller Tatendrang. Wir probieren alles aus, machen Fehler, stehen wieder auf, weinen, verstehen bestimmte Dinge nicht und kümmern uns aber auch nicht weiter darum…

Jeder ist ein Künstler im Kindergarten. Zusammen mit anderen „im Team” malen wir Bilder, die Erwachsene nur unheimlich schwer nachbilden können. Jeder genießt es und zweifelt auch nicht an sich selbst. Manche sind eben besser, aber manche sind auch schlechter. Wen juckt das schon? Selbst wenn es so war, waren die Sorgen in zwei Minuten wieder verflogen. Als Kinder, haben wir uns ganz einfach weniger Gedanken darüber gemacht.

Geschichte #1

Hast du Kinder mal beobachtet, wenn Musik abgespielt wird?
Wir haben bei uns ganz in der Nähe einen großen Park, in dem eine Freilichtbühne steht. Im Sommer tragen dort jeden Sonntag Musiker kostenlos etwas vor. Es laufen viele beim Spazierengehen vorbei, setzen sich einfach dazu und können sich das Ganze anhören und anschauen.

Und letzten Sommer habe ich ein Kind beobachtet, das einfach aufgestanden ist und angefangen hat, sich zur Musik im Takt zu bewegen. Es hat ganz genau gemerkt, dass es von anderen angeschaut wurde. Aber hat es deswegen aufgehört zu tanzen? Im Gegenteil, das Kind hat sich bestärkt gefühlt und sogar andere motiviert, mitzumachen.

Das Mädchen hat fremde Kinder an die Hand genommen und mit ihnen getanzt. Es ist immer wieder zu Mama und Papa hingelaufen und wollte auch sie animieren, aber die Eltern haben nur mit dem Kopf geschüttelt. Sie haben sich zu erwachsen gefühlt, um dort mitzumachen. Und auch alle außen herum fanden es nett anzusehen, haben sich auf ihren Plätzen aber doch sicherer gefühlt.

Und klar, wer macht das schon als Erwachsener? Wärst du aufgestanden und hättest getanzt? Am hellichten Tage, wenn alle Augen auf dich zeigen?

Versuche genau diese Szene mal in ein Meeting zu übertragen, bei dem du mit anderen am Tisch sitzt. Wer bringt von sich aus etwas zum Thema bei? Wer ist eher ruhig und zurückhaltend?

Geschichte #2

Ein anderes Beispiel, das ich wahnsinnig stark fand, hat mir Paula aus ihrem Arbeitsalltag an der Schule erzählt.

Es gab zwei portugiesische Kinder, die aufgrund der beruflichen Situation der Eltern zwei Wochen mit nach Hamburg kommen mussten. Natürlich sollten sie auch in Deutschland in dieser Zeit weiter in die Schule gehen. Jetzt musst du dir vorstellen, dass keiner von den beiden auch nur ein Wort Deutsch sprechen konnte. Für sie war es nicht möglich, über die Sprache mit allen anderen Kindern auf dem Schulhof zu kommunizieren. Für alles, was sie gesagt haben, haben sie nur fragende Blicke zurückbekommen.

Glaubst du, sie haben sich deshalb jeden Tag zurückgezogen und sich über die Situation beklagt, nur geweint und nichts gemacht?

Das Gegenteil war der Fall. In den ersten Tagen haben sie vielleicht noch aus einer sicheren Position das Geschehen beobachtet. Dann aber haben sie gemerkt, dass sie sich genauso mit Händen und Füßen verständigen können und das ihnen geholfen hat, mit anderen zu spielen und ein Teil davon zu sein.
Sie haben sich keine Sorgen darum gemacht, ob es jetzt peinlich ist, weil sie kein Wort deutsch sprechen konnten.

Natürlich kannst du das jetzt nicht eins zu eins in deinen Arbeitsalltag übertragen. Aber auch wenn du von dir denkst, dass du die Sprache von kreativen Designern noch nicht gut genug sprichst, solltest du einen Weg finden, dich auszudrücken. Und den gibt es. Auch wenn du keine branchen-spezifischen Worte verwendest. Drück dich auf deine Weise aus und versuche trotzdem teilzunehmen und nicht nur auszuführen.

Ab einem bestimmten Alter machen wir uns zu viele Gedanken darum, was andere über uns denken

Diese zwei Beobachtungen haben mir gezeigt, dass wir Fähigkeiten in uns haben, die wir schon als Kinder beherrschen, aber ab einem bestimmten Alter nicht mehr zulassen. Irgendwann fängt es an, dass wir uns zu viele Gedanken darüber machen, was andere Menschen über uns denken. Und genau darin liegt ein großes Problem, weil du dich als Designer dadurch einschränkst.

Genauso ist es mit Ideen. Jeder von uns hat Ideen und jeder ist kreativ. Auch wenn viele von sich selbst meinen, dass sie keine guten Ideen haben und behaupten, dass sie absolut nicht kreativ sind.

Aber der Grund, warum sie das sagen, ist, dass sie sich zu arg darum kümmern, was andere Leute darüber denken. Ist es eine schlechte Idee, ist es eine gute Idee, ist es eine schlechte Idee… Warum findet man es nicht einfach heraus, indem man sie ausspricht?

Wir verändern unser Verhalten und das kann auch unsere Kreativität unterdrücken.

Einen interessanten Aspekt habe ich mal im High Resolution Podcast gehört:
Denk mal über deine Träume nach. Jeder träumt, manche mehr, manche weniger. Wenn wir aufstehen, haben wir sie aber oft wieder vergessen.

Genauso ist es auch mit unseren kreativen Ideen. Wir vergessen sie oft und meinen deshalb, dass wir keine Ideen hätten. Dabei hat jeder gute Ideen eben zu unterschiedlichen Zeiten am Tag.
Es ist für viele nur schwer, sie festzuhalten bzw. sie einfach rauszulassen. Besser gesagt, viele machen es auch einfach nicht.

Wann kommen dir gute Ideen?

Viele kennen diese bekannten Momente, in denen man auf einmal eine Idee hat. Oft abseits von der eigentlichen Arbeit. Zum Beispiel in der Dusche. Warum gerade in der Dusche?

Ein Grund dafür könnte sein, dass viele morgens duschen. Und wenn du gerade erst aufgestanden bist und ins Bad gehst, musst du dir vorstellen, dass du noch deine volle Produktivität abrufen kannst. Du hast keine E-Mails, die dich beim Nachdenken ablenken. Du hast einen Fokus und keine unnötigen Dinge im Kopf.

Wenn du also auf der Suche nach guten Ideen bist, solltest du vielleicht genau diese Hinweise befolgen.

Wenn ich an einem neuen Beitrag sitze, dann mach ich das nicht abends, wenn der ganze Tag rum ist. Sondern morgens nach dem Aufstehen, wenn ich die Ideen, die mein Kopf zu einem Thema während des schlafens verarbeitet, direkt rauslassen kann. Ich denke über nichts anderes nach und mich lenkt auch nichts ab.

Setze deine Ideen als Designer um

Deine Erfahrungen und dein Wissen zu einem bestimmten Thema sind wertvoll. Ich bekomme Anregungen und Ideen zu Projekten von Menschen, die noch nie in ihrem Leben als Designer gearbeitet haben. Der Unterschied ist, dass sie diese Ideen rauslassen, weil ich sie danach frage. Und vielleicht kannst du dich selbst auch fragen, was du anders machen würdest oder warum deiner Meinung nach ein bestimmter Weg der Bessere wäre.

Es kommt schon oft vor, dass jemand im Raum seine eigenen Ideen hat, aber an sich zweifelt, diese mit anderen zu teilen. Und das solltest du möglichst vermeiden, da es immer jemanden anderen gibt, der diese Informationen weiter verarbeitet. Es muss oft nicht die ultimative Idee sein, sondern nur eine Anregung, die zusammen mit der Hilfe von anderen, zu etwas Größerem wird.

Lass deinen Ideen also freien Lauf.

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