Business Design Podcast

Wenn Kunden und Kollegen Design nicht als wertvoll genug sehen

Heute gibt es eine Frage von Steffi, über die ich auch eine Weile nachdenken musste. Wie überzeugst du eigentlich Kunden und Kollegen davon, dass Design wertvoll ist und nicht einfach nur ein schnelles Zusammenschieben und Farben anpassen.

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Kannst du mal schnell… Machen Designer nichts anderes als Pixel schieben und Farben anpassen?

Eine Frage von Steffi:

Ich bin Grafikdesignerin in einer Digitalagentur in Köln und werde immer wieder mit einem Problem konfrontiert was mich total nervt. Sowohl meine Kollegen, als auch Kunden denken immer wieder meine/unsere Arbeit sei einfach ein „schnell-zusammenschieben-und-Farben-anpassen”.

Immer wieder höre ich „was? So lange dauert das? Aber das ist doch nur xy“. Ich kann mir vorstellen, dass du damit auch schon des öfteren konfrontiert wurdest, oder? Hast du da eine gute Lösung für? Bzw. Was antwortet man am besten auf so etwas? (Fun fact: heute kam ein Kunde der allen Ernstes der Meinung war dass 4-8 Std. wohl für ein Onlineshop-Design ausreichen sollten…)

Wie überzeugst du andere Menschen davon, wie wertvoll Design eigentlich ist?

Wie du weißt, arbeite ich selbstständig und bei mir läuft deshalb natürlich einiges anders ab, als bei einem Festangestellten. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen und schaue bei jedem neuen Projekt erstmal, ob das überhaupt auch jemand ist, mit dem ich gerne zusammenarbeiten möchte. Und ein Kunde, der mit so einer Meinung oder Haltung zu mir kommt, würde ich direkt als Problem-Kunden einstufen und ganz einfach von vornherein absagen.

Jeder, egal ob Kunde oder Team, sollten deinen Design-Prozess respektieren und wissen, dass gute Ergebnisse eben auch Zeit brauchen. Im Gegenzug musst du aber auch wissen, was du brauchst, um diese Ergebnisse liefern zu können.

Der Kunde weiß nicht, welche Schritte überhaupt notwendig sind, um seine Ziele zu erreichen. Wenn wir eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, wissen wir es ja vorher genauso wenig. Wir gehen zu keinem Arzt, oder Anwalt oder Dachdecker und sagen, dass es ja bestimmt günstig wird, weil du dafür nur ein paar Stunden brauchst. Woher sollten wir dieses Wissen nehmen?

Ein Kunde sollte dir sagen, wohin er möchte und in welchem Paket. Aber nicht wie. Das ist deine Aufgabe dies herauszufinden und deswegen kommt er zu dir.

Im ersten Moment scheint es also, als könnten wir die Schuld in so einer Situation bei jemand anderen suchen.
Aber wenn wir mit einer professionellen Haltung arbeiten wollen, müssen wir akzeptieren, die Verantwortung für alles zu übernehmen und somit liegt das Problem letztendlich auch bei uns. Das ist schwer zu verstehen, aber wir sind diejenigen, die solche Projekte erst annehmen, obwohl wir schon im voraus Schwierigkeiten aufkommen sehen. Wir ignorieren Warnsignale schnell und nur weil wir das tun, kreieren wir sozusagen unsere eigenen „Kunden aus der Hölle”, die vielleicht nur so denken, weil sie damit bisher immer irgendwo angenommen wurden.

Einem Kunden, der von Beginn an nicht den Mehrwert meiner Arbeit erkennt, sage ich also für gewöhnlich ab.

Jetzt ist das bei dir natürlich um einiges schwerer, da es nicht nur Kunden sind, von denen wir hier reden, sondern auch Kollegen. Das heisst, es gibt auch andere in eurem Arbeitsprozess, die Design an sich nicht als wertvoll genug ansehen. Das sehe ich vor allem aus der Sicht einer Digitalagentur als sehr problematisch an.

Ich bin mir gerade auch nicht sicher, ob das überhaupt zu deiner Aufgabe gehört, genau das zu ändern. Es gibt nämlich nicht einfach nur einen magischen Satz oder eine einfache Lösung, die alles ins Lot schiebt. Wenn man dieses Problem wirklich lösen möchte und ein Unternehmen erstmal grundlegend von Design überzeugt werden muss, dann braucht es mehr als nur ein Gespräch.

Trotzdem gibt es ein paar Ratschläge, die ich dir geben kann.

Versuche Design an sie ranzubringen, indem du ihre Sprache sprichst

Das stellt für manche vielleicht schon eine erste Hürde dar, denn um ihre Sprache sprechen zu können, musst du dich auch in ihren Bereichen auskennen. Du solltest also nicht nur die Sprache von Design beherrschen, sondern auch die von Business, Projektmanagern, Stakeholdern, vielleicht auch Entwicklern oder Konzeptern etc.

Sie müssen verstehen können, was du aus dem Design Bereich mit an ihren Tisch bringen kannst und vor allem welche wichtige Rolle Design für alle Bereiche bedeutet.

Versuche also einen Mehrwert über Design in Bereiche mit reinzubringen, wo er erstmal gar nicht erwartet werden würde.

Design-Grundsätze übersetzen

Design ist ein Werkzeug, das dir bei Entscheidungen hilft. Genauso wie Analytics zum Beispiel auch. Es bringt dir ganz einfach schnell Resultate, um eine Idee oder ein Unternehmen groß zu machen.

Wenn ein Kunde beispielsweise die Nutzung von einem bestimmten Produkt vergrößern möchte, sind Designer diejenigen, die schnell verschiedene Layouts ausprobieren und direkt auch zeigen können, welches die besseren Ergebnisse liefert.

Und sobald dieser Punkt erreicht ist und die anderen das auch sehen, kannst du darüber reden, wie und warum ein Design bestimmte Vorteile hat und gegenüber einem anderen Layout oder einer ganz anderen Idee, besser performt. Und dadurch entstehen dann messbare und reale Ergebnisse. Die kann jeder sehen und jeder verstehen und keiner kann etwas anderes behaupten. Diese Ergebnisse liegen in Verbindung mit einem bestimmten Layout und zeigen auch warum dein Design-Prozess dabei geholfen hat.

Design beeinflusst, wie Menschen Entscheidungen treffen!

Eine großartige Methode, die wir dafür einsetzen können, ist erste Prototypen zu bauen.

Das ist sozusagen ein Weg um dein Team und auch Kunden näher an die Kraft von Design mit ranzuführen. Dafür musst du aber eben versuchen, ihre Sprache zu sprechen und dieses Thema dann auch für sie verständlich rüberzubringen.

Erkläre vielleicht auch, was möglich werden wird, wenn ihr in einem Projekt mal tiefer eintaucht und mehr Zeit für Design einplant. Was würde das für das ganze Projekt oder für alle bedeuten?

Wie viel mehr Zeit würdest du brauchen, um ein Ergebnis vorzustellen, dass nicht nur schnell, schnell ist sondern die alternativen Lösungsvorschläge beinhaltet. Wie würde dieses Ergebnis im Vergleich zu dem aussehen, was sie sonst immer in viel kürzerer Zeit haben wollen.

Überlege einfach mal, was entstehen könnte, wenn du mehr Zeit hättest. Und das dann nicht nur aus deiner Sicht, sondern immer auch aus der Sicht der anderen. Was bedeutet das also für sie oder den Kunden? Welche Vorteile hätte das für das Projekt oder für die ganze Kreativ-Abteilung?

  • Könnten dadurch vielleicht andere Abläufe im Team beschleunigt werden?
  • Würde es dadurch vielleicht nicht so viele Änderungseinheiten geben, da wir es einmal richtig anpacken und nicht schnell-schnell?
  • Was ist, wenn wir mit diesem Projekt nicht nur stumpf den Auftrag abarbeiten, sondern darüber hinaus auch andere Kunden anziehen würden? Wie müsste das Projekt dafür aussehen?
  • Könnten wir den Kunden eventuell überraschen, da wir mehr liefern als sonst, was zu Folgeaufträgen oder Empfehlungen führen kann?

Design hat viele Facetten und du kannst sie mit den richtigen Gedanken davon überzeugen, das auch zu sehen.

Wie wird die Rolle von Design in jedem Projekt als wichtig angesehen?

Wie bekommst du jetzt aber deinen Vorgesetzten dazu, dass bei jeder neuen Aktion Design als ein wichtiger und vor allem essentieller Baustein mit eingeplant wird?

Ich vermute, dass es immer jemanden braucht, der dieses Thema anspricht und das Ganze sozusagen überhaupt erstmal anleitet.

Im besten Fall kennt sich derjenige nicht nur gut mit dem kreativen Bereich aus, sondern auch mit Strategien oder hat Einfluss in den Produktionsprozess und hat zusätzlich Wissen im Marketing. Es reicht also nicht, nur Designer zu sein und deswegen dieses Thema am liebsten überall an erster Stelle zu sehen. Man muss auch die Prozesse davor und danach kennen und vor allem wissen, welchen Einfluss Design letztendlich auf Projekte hat.

Und genauso brauchst du auch Leader, Entscheidungsträger, CEOs etc. auf der anderen Seite, die den Wert erkennen.
Wenn sie aber absolut nicht offen für neue Vorgehensweisen sind, dann wird es auch schwer sie von Design zu überzeugen. Aber sollte das der Fall sein, haben sie wohl auch kein Interesse weiter zu wachsen. Denn um zu gewinnen, muss man einfach auch Veränderungen zulassen.

Das heisst letztendlich, jemand auf der anderen Seite muss auch offen dafür sein, sich das anzuhören, was du anzubieten hast oder was du gerne verändern möchtest. Wenn das nicht der Fall ist, wird es vermutlich nicht funktionieren.

Gerade wenn du festangestellt arbeitest und die Design-Abteilung vielleicht nicht groß ist oder erst neu aufgebaut wurde, kannst du erstmal nur versuchen, diesen ersten Samen von einer Design-Kultur zu streuen. Was andere dann damit anfangen, hast du letztendlich nicht in der Hand.

Und selbst wenn du das tust, kannst du keine Veränderungen in nur wenigen Wochen erzwingen. Eine Design-Kultur aufzubauen, die noch nicht von Anfang an verankert ist, dauert für gewöhnlich Monate wenn nicht Jahre. Vielleicht passiert das also erst, wenn du gar nicht mehr dort arbeitest. Aber du kannst diesen Ursprung mit entwickeln.

Ich habe heute vermutlich nicht die perfekte Antwort für dich, weil es auch ein extrem schwieriges Thema ist. Vielleicht bin ich in der Vergangenheit auch einfach zu selten in Situationen gekommen, wo mich das wirklich stark belastet hat. Trotzdem möchte ich mich so einem Problem natürlich nicht entziehen und weiß, dass du damit da draußen nicht alleine bist.

Ich versuche es wie gesagt schon im Voraus zu erkennen und solche Aufträge überhaupt zu vermeiden. Vielleicht ist das ja auch was, das für dich irgendwie möglich ist.

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