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Diese Fragen solltest du vor jedem Projekt stellen – Tipps für Web Designer

In der Folge 027 haben wir besprochen, wie man Probleme überhaupt mit Hilfe von Design löst und warum das so wertvoll für den Kunden und auch für dich ist.

Aber bevor du ein Problem überhaupt lösen kannst, musst du es erstmal verstehen. Und deshalb geht es heute darum, wie du die Ziele und Probleme des Kunden herausfindest indem du ganz konkret die richtigen Fragen stellst. Denn genau darauf kommt es an. Nur so kannst du dich als Experte in deinem Gebiet positionieren und auch mehr Geld verlangen.

Ich gebe dir außerdem einige Einblicke in reale Projektanfragen, die ich in der Vergangenheit bearbeitet habe.

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Welche Fragen muss ich stellen, bevor ich mit dem Layout starten kann?

Um wirklich Erfolg in einem Projekt zu haben, musst du wissen, welche Probleme du als Designer lösen musst und welche Ziele der Kunde hat. Das braucht viel Übung und ist definitiv auch nicht in einem Satz gesagt.

Auch wenn du ein Briefing in der Agentur bekommst, musst du Rückfragen stellen. Das zeigt, dass du Ahnung hast, von dem was du tust. Und genau so soll uns auch ein Kunde sehen. Als Experte in unserem Gebiet.

Aber gerade beim Start deiner Design-Karriere oder als Anfänger denkt man schnell, dass mehr Fragen stellen auch gleich weniger professionell bedeutet. Also eher, als hätte man nicht richtig zugehört (das dachte ich anfangs auch).

Aber das Gegenteil ist der Fall. Je besser und zielgerichteter du Fragen stellst, desto mehr kannst du in einen Analyse-Haltung übergehen und wirst auch als Experte gesehen. 

Passend dazu: Zwei Methoden, wie du rausfinden kannst, was der Kunde für eine Website braucht:
Den Kunden direkt nach seinen Vorstellungen, den Funktionen und Aussehen einer Website fragen oder den Kunden und sein Unternehmen analysieren. Der Analyse-Part ist wesentlich profitabler. Warum erkläre ich dir hier in diesen Beitrag auf meinem Patreon Account.

Zurück zu den Fragen und wie du überhaupt Antworten auf das bekommst, was du über den Kunden und sein Projekt wissen solltest.

Fragen, die du jedem neuen Kunden stellen solltest

Hier ist eine Liste an Fragen, die ich speziell vor jedem Projekt verwende. Ich optimiere sie nach jeder Projektanfrage, da mir immer wieder Dinge auffallen, die der Kunde nicht richtig versteht oder das besser formuliert werden könnte. Also auch wenn du dir davon jetzt etwas für deine Projekte abschaust, sei darauf gefasst, sie immer weiter zu verfeinern und auf deine Bedürfnisse anzupassen! 

  • Was hast du vor und warum ist es wichtig?
    Mach dir erstmal ein Bild davon, um was es bei dem Projekt überhaupt geht.

  • Wie hebst du dich von Wettbewerbern ab?
    Was macht dein Produkt/Service/Vorhaben besser als andere? → Das sind Informationen, die später im Layout eine Rolle spielen.

  • Wer ist die Zielgruppe in diesem Projekt?
    Kennt sich der Kunde in seinem Gebiet aus? Welche Personen muss das Design und Layout später ansprechen? Wie sind sie? Jung oder alt, hipp oder modern usw. Muss ich also mit bestimmten Farben arbeiten, großer Typo oder kann ich mir etwas ausgefallenes ausdenken.

  • Was sind die Ziele für dieses Jahr und für die nächsten drei Jahre?
    Jetzt geht es ans eingemachte. Diese Ziele, die hier genannt werden, spielen eine große Rolle, was das Ergebnis des Projekts angeht. Wie kannst du helfen, diese Ziele am besten zu erreichen? Wenn du dich darauf fokussierst, ist das eine gute Grundlage um Premium-Preise zu verlangen. 

  • Bitte ordne die genannten Ziele nach Priorität und Zeitraum
    Du willst deinem Kunden Resultate liefern und dafür brauchst du messbare Ergebnisse. Deshalb ist es wichtig zu wissen, welche Ziele höhere Prioritäten haben, als andere und warum. 

  • Wie sieht Erfolg für dieses Projekt aus?
    Ab wann ist der Kunde zufrieden, was ist der Optimalfall, der erreicht werden kann?

  • Was ist, wenn das Projekt scheitert?
    Wir als Designer verkaufen keine Garantie, das etwas auch Erfolg hat. Es könnte also auch sein, dass etwas nicht die genannten Ziele erreicht. Was passiert dadurch auf Kundenseite? Wie stark würde es ihm schaden? Wie viel Risiko steckt hier im Projekt? Das ist genauso für dich wichtig zu wissen, falls du das Projekt doch lieber nicht annehmen möchtest.

  • Wo und wie wird meine Arbeit als Webdesigner eingesetzt?
    Das ist oft spannend von Kundenseite zu hören. Was stellt er sich vor, was ich alles für ihn mache? Werden hier womöglich Aufgaben genannt, die ich gar nicht beherrsche oder wo ich mir noch einen weiteren Partner mit ins Boot holen muss?
    Zudem bekomme ich einen groben Plan, wie aufwendig das Ganze vermutlich ist.

  • Warum willst du gerade mit mir arbeiten?
    Gibt es eine bestimmte Sache, die ihn angezogen hat? Dadurch bekommst du auch optimales Feedback, was jemand an dir schätzt oder warum jemand überhaupt auf dich zukommt. Verwende das direkt in einem Angebot, um zu beschreiben, warum genau du der richtige für das Projekt bist. 

Sollte der Kunde eine oder mehrere dieser Fragen nicht oder nur halbherzig beantworten, würde ich empfehlen, dass er sich noch mal genauer mit seinem Vorhaben beschäftigt und sich gründlicher Gedanken macht. Für mich wäre das ein Anzeichen dafür, das Projekt nicht anzunehmen. Der Kunde sollte sich definitiv immer in seinem Bereich auskennen und auch einen Plan haben, was er überhaupt vor hat.

Anzeichen für Problemkunden: 
Wie du schlechte Kunden und Problem-Projekte im Voraus erkennst und diese direkt filtern kannst.

Halte alle Gespräche schriftlich fest

Was passiert danach?

Dieser Frage/Antwort Prozess findet bei mir im ersten Schritt telefonisch oder per Fragebogen, also schriftlich statt.
Du solltest auch bei allen darauffolgenden Gesprächen immer alles schriftlich festhalten, damit nichts verloren geht und du dich auch jederzeit auf eine Aussage beziehen kannst.

Gerade wenn das Projekt zeitlich nicht in den nächsten ein oder zwei Wochen abgehakt werden muss, finde ich es persönlich auch oft hilfreich, sich später noch mal in verschiedene Szenarien hineinlesen zu können.

Wenn die Gespräche mit deinem Kunden persönlich oder telefonisch stattfinden, mach dir zu allen wichtigen Punkten Notizen und führe eine Art Protokoll.

Ganz wichtig: Sobald das Gespräch vorbei ist, schickst du deinem Kunden eine Zusammenfassung und lässt sie von ihm abhaken. So kannst du sichergehen, dass du auch nichts falsch verstanden hast und beide Seiten ein klares Verständnis von dem Projekt haben.
Diese Zusammenfassung solltest du am Ende von jeder Konversation ansprechen und Bescheid geben, wann du sie ihm zukommen lässt. Lass den Kunden auf keinen Fall warten! 

Nutze diese Fragen gleichzeitig als Filter

Für mich persönlich haben solche Frage an den Kunden auch gleichzeitig eine Filterfunktion. Sie geben mir Sicherheit, wie gut sich jemand mit seinem Projekt beschäftigt hat und wie wichtig es ihm ist.

Was du auf jeden Fall vermeiden möchtest, sind larifari Projektanfragen wie zum Beispiel:

Hi Jonas, ich brauche eine Website, die mir hilft, mein Produkt besser zu präsentieren. Sie sollte am besten so aussehen wie diese hier und ich brauche das bis spätestens übernächste Woche. Kannst du mir dabei helfen? Und was kostet das?

Solche Anfragen rauben dir nur unnötig Zeit und enden oft auch nicht bei einem wirklichen Projekt, sondern bei sehr viel Stress.

Antworten auf bestimmte Fragen zu bekommen, sind die Ausgangslage, damit ich beurteilen kann, ob wir zusammenpassen, um was es bei dem Ganzen geht und ob das Projekt überhaupt interessant für mich sein könnte. 

Was passiert nach den ersten Fragen?

Die oben genannte Fragen sind meistens der Start und die Grundlage. Falls der Kunde sie erstmal schriftlich beantwortet, folgt bei mir ein persönliches Gespräch mit dem Entscheidungsträger um ein Gefühl dafür zu bekommen, wohin die Reise geht und ob das überhaupt ein Projekt ist, bei dem ich dem Kunden helfen kann, seine Ziele zu erreichen. Ich kann außerdem nochmal auf eventuelle Unklarheiten, Probleme und Ziele eingehen. Außerdem nenne ich während des Gesprächs schon jetzt dem Kunden eine Preisspanne.

Falls du einen genaueren Einblick dazu haben möchtest, habe ich eine vierteilige Serie zu diesem Thema auf meinem Patreon-Account veröffentlicht. Behind the Scenes eines neuen Kundenauftrags für ein Website-Projekt (realer Kundenauftrag).

Weitere Fragen spezifischer auf ein Website-Projekt

Es ist immer wichtig, sich auch allgemein ein Bild von dem Kunden und/oder Projekt zu machen.

Natürlich geht es aber irgendwann mehr um das Website Design und auch dafür habe ich Fragen vorbereitet, die mir den Start in diese Diskussion erleichtern. Sie sind oft bisschen mehr aus der technischen Richtung. Da kommt es eben darauf an, mit welchem Kunden ich rede oder ob ich als Freelancer zu einem Projekt dazugeholt werde, wo sich das Team mit der Materie auskennt und ich mir einfach erstmal ein Bild von dem Ganzen machen muss.

Beispiel-Fragen:

  • Was ist die Aufgabe von dieser Website in einem Satz? Was muss sie erfüllen?
  • Warum interessiert sich der Seitenbesucher für XY?
  • Mit welchem Gerät und welcher Auflösung kommt die Zielgruppe vermutlich primär auf die Website?
  • Was muss diese Website kommunizieren? Was ist die Kern-Botschaft, die übermittelt werden soll?
  • Wie soll sich die Zielgruppe fühlen, nachdem sie die Website wieder verlässt?
  • Wo und wie wird die Website gezeigt? Wird sie irgendwie beworben und wenn ja, auf welchen Plattformen?
  • Ist die Website ein Teil eines Verkaufszyklus bzw. ab wann spielt der Kunde eine Rolle?
  • Muss ich mich beim Design an einen Styleguide halten?
  • Gibt es vom Inhalt her noch mehr, was zusätzlich rein kommen könnte oder ist der Content schon final abgestimmt?
  • Kann ich auch Ideen für Animationen entwerfen oder soll die Seite eher „ohne viel Aufwand” programmiert werden können?

Natürlich gibt es davon noch mehr, aber jede dieser Fragen hilft dir, eine Etage tiefer zu graben, bis du das Wissen hast, das du brauchst, um loszulegen.

Was kommt als Antworten zurück?

Verschiedene Beispiele und ein Rollenspiel

Damit du dir ein genaues Bild davon machen kannst, wie eine Antwort auf die Bisher besprochenen Fragen aussehen könnte und auf was du dann wiederum eingehen musst, habe ich hier für dich mal ein paar Beispiele von Projektanfragen, dir mir zugeschickt wurden. Natürlich anonym und auf fiktive Projekte bezogen, aber die Wortfolge ist in etwa so, wie die Konversation abgelaufen ist.

Beispiel eins:

Wie ich bei einem Gespräch auf die Ziele eingehe, die Prioritäten herausfinde und letztendlich auch die Probleme der Website verstehe, die geändert werden müssen.

Was sind die Ziele für die nächsten fünf bis zehn Jahre?:

Kunde: Die Ziele liegen ganz klar in der Erweiterung des Angebots in Form von

  1. Blog Relaunch
  2. Physisches Produkt an den Start bringen
  3. Online Shop erstellen
  4. Buch Veröffentlichung
  5. Erweiterung des Bekanntheitsgrades und der Reichweite
  6. Neue und bestehende Kooperationen generieren und beibehalten

Was ist übergeordnet das größte Ziel, dass mit dem neuen Blog-Design erreicht werden soll? Warum denkt ihr, werdet ihr dieses Ziel durch ein Redesign erreichen?

Kunde: Ich möchte mich in Richtung Magazin entwickeln, damit mehr Leser erreichen und mehr bzw. größere Kooperationen eingehen. Im Moment verschwinden meine Beiträge, wenn fünf weitere online gestellt wurden, auf Seite zwei und werden dann nur sehr schwer wieder gefunden.

  • Ich möchte meine Inhalte übersichtlicher präsentieren.
  • Ich möchte die Leser länger auf der Seite halten.
  • Und ich möchte über Google noch besser gefunden werden.

Wie kann ich dir als Designer dabei helfen? Wo und wie wird meine Arbeit eingesetzt?:

Im Design und der Programmierung des neuen Blogs einige bereits definierte Ansprüche an das Projekt sind unter anderem:

  • Megamenü mit Bildern
  • Integration und logischer Einsatz von einem Suchfeld/einer Such-Option
  • Layout überarbeiten
  • Slider integration
  • Layout Online Shop

Die nächsten Fragen wären: Warum ein Megamenü? Was funktioniert mit der Navigation bisher nicht? → Tiefer eintauchen, den Grund herausfinden und eventuell eine andere Lösung präsentieren. Beispiel: Das Megamenü ist in dem Fall etwas, dass der Kunde kennt. Es muss aber nicht heissen, dass es die beste Lösung für das Problem ist. Und deshalb muss man überall noch tiefer eintauchen und das „Warum” herausfinden.

Beispiel zwei:

In diesem Fall möchte ich wissen, was primär auf der Landingpage kommuniziert werden muss und dementsprechend von mir im Layout genau dargestellt werden muss. Was ist dem Kunde wichtig?

Wie hebst du dich von deinen Konkurrenten ab? Was macht dein Service oder Produkt besser?

Kunde:

  1. Premiumprodukt: Wir bieten nur beste Ware an, daher haben wir die Austauschgarantie: Sollte was mit unserem Produkt passieren, werden wir es lebenslang austauschen.
  2. Neben dem normalen Displayschutz haben wir ein neu entwickeltes XY Produkt, welches den Kunde vor XY schützt. Dieses ist etwas besonderes und Neues und muss deshalb auch in den Vordergrund gestellt werden.
  3. Mit der Kombination Hülle + Schutzglas haben wir den XY Schutz, welcher das Gerät optimal von allen Seiten schützt.

Was muss also dargestellt werden? → lebenslange Austauschgarantie (zieht bei Kunden gut), neu entwickelter Displayschutz und warum und wie das Gerät von allen Seiten geschützt wird (vielleicht visuell im Layout dargestellt).

Im weiteren Verlauf würde ich noch tiefer in jeden der drei Punkte eingehen und genau herausfinden, was sie so besonders macht. Und genau das muss anschließend im Design kommuniziert werden.

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Einblick in den Ablauf einer neuen Projektanfrage: Erstes Gespräch, Angebot, Präsentation (Teil 1)

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